| Ist es denn wirklich so schlimm? |
„Ist es denn wirklich so schlimm?“ und „Ist denn wirklich alles so schön?“ - Diese und ähnliche Fragen kamen in der letzten Zeit vereinzelt von Lesern des Blogs auf. Nein, ist es nicht! Beides nicht! J Interessant, dass das so unterschiedlich empfunden werden kann. Ich kann beide Interpretationen verstehen. Wir erleben unbeschreiblich viel und für uns Neues auf dieser Reise. Da sind die Dinge, die wir manchmal nicht fassen/begreifen können bzw. die uns allgegenwärtig auf den Nerv gehen oft die, die als erstes raus müssen, um uns Luft zu machen. Vielleicht auch deshalb, weil es spannender klingt als detaillierte Landschaftsbeschreibungen und andere wunderschöne, aber unspektakuläre Erlebnisse auf der Reise. 2 Beispiele dazu: Dass man in Asien nirgendwo mal eben über die Straße laufen kann, ohne dumm angesprochen zu werden, ob man eine Transportmöglichkeit braucht, eine Tour buchen möchte, Drogen angeboten bekommt etc. Das nervt nach einer Weile ganz schön und hört einfach nie auf. Innerlich schreit man laut: „Lasst mich alle einfach in Ruhe, wenn ich was will, kann ich auch auf euch zu gehen.“ Beispiel Nummer 2 sind die Situationen, in denen man z.T. offensichtlich über den Tisch gezogen wird und nichts dagegen machen kann. Das kennen wir so nicht und das ist kein schönes Gefühl. Das muss dann manchmal einfach raus.
Demnach ist auch nicht immer alles nur schön. Das ist keine Kur oder Erholungsurlaub, den wir hier machen. 2 Beispiele dafür habe ich genannt. Wie ist das, wenn man so eine lange Zeit 24h, 7Tage die Woche aufeinander hängt, beisammen ist? So schön, dass wir uns in einem Dorm im Hostel immer noch gemeinsam in ein Bett legen, anstatt getrennt voneinander zu schlafen. Mehr Details gibt’s dazu auf dem Blog nicht. ;-)
Wie empfinden/sehen wir das nun selber? Unterm Strich überwiegen ganz klar die positiven und schönen Erlebnisse, sowohl in der Anzahl, als auch in der Intensität. Wir sind sehr froh, dass wir diese Reise machen (können). Wir empfinden das als eine große Bereicherung für uns mit unzähligen Erlebnissen, die wir inzwischen nicht mehr missen wollen. Alles in allem: eine tolle Erfahrung!
| Auf Gili Trawangan |
Zur Reise: Wir waren also in Yogjakarta auf Java und aufgrund des Endes des Ramadans waren die Reisebedingungen so schwierig, dass wir den Vulkan „Bromo“ ausgelassen haben und uns auf direktem Weg zu den Gilis aufgemacht haben – unser „Höllentrip“. Morgens gegen 7h ging es in der Business Class (2 Klassen schlechter als die Economy Class auf der Fahrt nach Yogjakarta) nach Suryabaya. Dort sind wir um die Mittagszeit in einer ausgestorbenen 2,5 Millionen Stadt angekommen und hatten 10h Aufenthalt. Nach 4h Stunden ging es nur noch ums Zeit vertreiben, weil wirklich nichts los war und es nichts zu sehen gab. Total leere Straßen! Die waren alle schon auf dem Land bei den Familien für das Fest. Abends gegen 22h ging es in den Zug zur Fähre nach Bali. An Schlaf war kaum zu denken. Total unbequem, heiß, eng… An jedem Bahnhof kamen Menschen in den Zug, die lauthals „Nasi, Nasi, Nasi, Nasi, Nasi“ gerufen haben und ihr Nasi Goreng und anderes verkaufen wollten. Leider haben die nicht begriffen, dass wenn sie 3 mal durch den Wagon gegangen sind und niemand etwas gekauft hat , sich das bei den nächsten Gängen nicht ändern würde. Morgens um 6h sind wir am Zielbahnhof angekommen, wo es direkt in einen kleinen Bus ging, der bis in den letzten Winkel mit Mensch und Gepäck ausgefüllt war. Nach der Fähre sind wir in diesem 3-4h nach Denpasar gefahren, wo wir in einem Minibus zu einem anderen Busbahnhof gebracht werden sollten, um dort einen Bus zur Fähre nach Lombok zu bekommen. Immer mit Verhandeln, Abzocke, Korruption verbunden. Diesen Bus hätte man bei uns vor 20 Jahren schon verschrottet, der uns hier in 2h zu Fähre gebracht hat und unterwegs noch 5 oder 6 Waschwannen große Eimer mit Fisch in den Gang geladen hat. Wir waren die einzigen Touris in dem Bus! Anschließend 4h Fährfahrt (die letzte Fähre ist Anfang des Jahres untergegangen und so sahen die auch aus), sodass es ca. 19h war, als wir auf Lombok angekommen sind und wir inzwischen 1,5 Tage, 36h unterwegs waren.
| Pause! |
Dort wollten wir eigentlich nur noch in die nächste Stadt und uns eine Unterkunft suchen, aber es gestaltete sich alles etwas schwieriger, sodass wir letztendlich mit 4 Argentiniern zusammen nach langen Preisverhandlungen in einem kleinen Van in das Städtchen gefahren wurden, von dem aus die Boote auf die Gilis fahren. Überall waren die Menschen auf den Straßen das Zuckerfest am feiern, sodass auch diese Fahrt länger dauerte als gedacht. Es war ca. 22.30h als wir in diesem verlassenen Dörfchen angekommen sind. Puh! Die einzige Herberge verlangte pro Zimmer 15€, was uns für die 7-8h, die wir darin verbracht hätten zu viel war und wir es bevorzugten direkt am Strand bei den Booten zu schlafen. Liebe, betrunkene Menschen machten uns das Angebot uns für ca. 85€ noch auf die Insel zu fahren. Wir verzichteten. Die Fahrt kostet eigentlich knapp einen Euro pro Person. Kurz bevor wir 6 uns auf unsere Rucksäcke zum Schlafen legen wollten, kam ein Mann mit einer großen Taschenlampe, leuchtete in die Runde, meinte zu einem „Police, come! Police, come!“ und zog ihn mit. Als er nach ein paar Minuten nicht wieder auftauchte sind 3 von uns los und fanden ihn vor dem Polizeischuppen mit zwei Männern. Die haben uns tatsächlich angeboten, dass wir hier im Polizeirevier (einer etwas nobleren Garage) auf dem Boden und den beiden Bastsesseln übernachten könnten. Für 1€ pro Person. Gerne! Man rollte uns noch einen großen Teppich aus und wir hatten ein Dach über dem Kopf, ein Plumsklo und der „Hauptkommissar“ wachte schlafend vor der Hütte auf einem Feldbett. Super! Der Höhepunkt war, als sich einer der Argentinier an den einfachen Holztisch setzte und „Fingerprints please!“ meinte. Wir hatten Spaß! Morgens um 7h ging der Wecker, wir sind zu den Booten, mussten bis gegen 9.30h auf den Kapitän warten (der hat wahrscheinlich seinen Rausch ausgeschlafen) und hatten bis 12h tatsächlich eine traumhafte Unterkunft auf Gili Trawangan gefunden, haben geduscht und sind im Bett gelandet. Nach über 50h endlich wieder eine Dusche und eine Matratze!
| In Ubud |
Die nächsten Tage sahen dann ungefähr so aus: Ausschlafen, die 15m vom Bett bis zur Strandliege überwinden, in der Sonne liegen, Schnorcheln gehen, abends den Sand abspülen, Essen gehen und wieder ins Bett. Das hat gut getan! Erholung pur! Ein gelungener und lang ersehnter Abschluss in Asien. Auf dem Weg nach Kuta (dem indonesichen Lloret de Mar auf Bali) haben wir einen Zwischenstopp in Ubud (ein sehr süßes Städtchen) auf Bali eingelegt und sind schließlich von Kuta/Denpasar nach Darwin in Australien geflogen.
Auf Wiedersehen Asien – Australien wir kommen!
Was fällt uns bei der Ankunft auf? Am Flughafen stehen Taxifahrer 15m von uns entfernt und interessieren sich gar nicht für uns. Es ist unglaublich ruhig. Keiner hupt! Und es gibt wieder „richtige“ Supermärkte. Wir sind wieder in der „Zivilisation“! Als wir mittags nur ein Baguette, eine Flasche Wasser und 4 Würstchen gekauft haben, waren wir über 1h im Supermarkt. Wow! Abends haben wir nach Ewigkeiten wieder selber Essen zubereitet. Kängurusteaks! Yammi!
| Ayers Rock - Uluru |
Die ersten Tage in Darwin drehten sich vor allem um eine sinnvolle Planung unserer Zeit in Australien. Wir hatten viel vor für die 4 Wochen und mussten uns entscheiden, was wir davon nun machen wollten/konnten. Letztendlich fiel das Los für das Transportmittel auf die Greyhoundbusse, mit denen wir hier nun eine Nachtfahrt nach der anderen absolvieren. Das nächste Ziel nach Darwin war Alice Springs, 1500km (22h Busfahrt) weiter südlich. Wer meint, das sei direkt beim Ayers Rock (bzw. heißt der inzwischen wieder Uluru), der hat sich getäuscht. Das sind noch 500km. Wir hatten eine 3-Tagestour zum Rock und in den Nationalpark gebucht und diese Tour war schlicht und ergreifend der absolute Hammer. Von den Sehenswürdigkeiten, der Organisation, dem Guide, der Gruppe… es hat einfach alles gepasst. Wir durften sogar den Fels hinauf steigen/klettern. Ein weiteres Highlight auf der gesamten Reise!
| Auf dem Fels! |
Noch einmal 20h Busfahrt und weitere 1500km südlich stand Adelaide auf dem Programm. Wir sind dort über Couchsurfing bei einem sehr lieben und herzlichen Pärchen untergekommen und haben erst mal ausgeschlafen und einen Tag Pause gemacht. Judith hat uns einen Käsekuchen gebacken, ich habe mal wieder ins Tagebuch geschrieben, sie hatten eine Gitarre… Für den nächsten Tag hatten wir eine Weintour in das Barossa Valley gebucht (um Adelaide herum sind viele riesige Weinanbaugebiete). Wir haben viel Wein probiert, aber die Tour war etwas enttäuschend und nicht so lehrreich, wie wir uns das erhofft hatten. Am nächsten Tag haben uns Erin und Pete, unsere Gastgeber, ins Auto gesteckt und sind mit uns zu 2 anderen Weingütern gefahren. Dort konnten wir dann alle restlichen Fragen stellen. Abends waren wir mit Pete noch auf dem Central Market, bevor es in den Nachtbus nach Melbourne ging.
| Endlich Kängurus vor der Kamera |
Dort sind wir viel zu Fuß durch das Stadtzentrum geschlendert, welches uns gut gefallen hat mit seinen kleinen Gässchen und Kaffees. Wir waren im Melbourne Aquarium und in St. Kilda im Süden, am Meer. Von Melbourne aus startete auch die letzte Tour, die wir für Australien gebucht hatten, die Great Ocean Road Tour. Auf dieser sind wir 2 Tage am Meer entlang gefahren, haben viele verschiedene Aussichten und Strandstädtchen gesehen, waren bei den 12 Aposteln (inzwischen nur noch 8 aufgereihte Felsbrocken im Meer) und waren am dritten Tag in den Grampians, einem Gebirge etwas weiter im Landesinneren. Wir haben Koalabären aus nächster Nähe gesehen und endlich auch ganz viele, süße, frei lebende Kängurus. Es gibt sie tatsächlich!
Die letzte Nachtbusfahrt ging dann von Melbourne nach Sydney. Ein weiterer Traum wird wahr! Es ging hier im Land down under alles ziemlich schnell, sodass es an diesem Morgen doch etwas plötzlich kam, als wir vor der Harbour Bridge und der Oper standen. Wie viele Menschen haben uns davon erzählt und wie oft haben wir die Bilder an Silvester im Fernsehen gesehen? Nun standen wir vor diesen beeindruckenden Bauwerken, in der Hafenbucht, die selbst mit der Skyline im Hintergrund eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Die alte britische Architektur verbunden mit ganz modernen Gebäuden, der Botanische Garten, Darlington Harbour, der Flair dieser Stadt hat es uns ganz besonders angetan. Gut, dass wir kommenden Samstag nochmal einen ganzen Tag in der Stadt haben, bevor wir sonntags nach Christchurch, in Neuseeland fliegen. In der Zwischenzeit besuchen wir Byron Bay und Surfers Paradise an der Gold Coast etwas südlich von Brisbane. Ma gucken, ob die wirklich surfen können, die Aussies. ;-)
| Sydney! |
Für unsere komplette Zeit in Neuseeland haben wir bereits einen Campervan gebucht und freuen uns sehr darauf wieder ein bisschen ein zu Hause zu haben. In den 4 Wochen in Australien, werden wir in keiner Unterkunft länger als 2 Nächte am Stück gewesen sein. Das ist mit der Zeit auch anstrengend, immer wieder die Taschen zu packen und ein neues Bettchen zu beziehen. Außerdem werden wir das Ende des Rugby Worldcups in Neuseeland miterleben, was von der Stimmung, Euphorie und Atmosphäre mit einer Fußballweltmeisterschaft in Deutschland verglichen wird. Wir sind gespannt…
So viel aus einer intensiven Zeit in Australien. Wir genießen unsere Zeit sehr und hoffen, dass es Euch ebenfalls gut geht.
Liebe Grüße,
Paul & Judith
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