Donnerstag, 26. Mai 2011

Einen Elefanten an der Nase herumführen ist doch ganz einfach...

Ihr Lieben,

wir sind wieder zurück in Johannesburg. Das letzte lange Wochenende haben wir mit Klaus und Sabine (Pauls Papa und seine Frau) in Hazyview bei Pauls Großtante verbracht. Marlene besitzt ein Landgut auf dem Zeederberg, wo sie eine sehr schöne Unterkunft führt. (http://www.bohms.co.za/) Wir sind am Freitag in Jo'burg losgefahren und konnten zum ersten Mal die Landschaft Südafrikas bestaunen. Um Johannesburg herum ist die Gegend zwar leicht bergig, die Vegetation aber eher trocken. Es gibt hier viel Gestrüpp und die Landschaft um die Autobahn gegen Osten hin ist weitläufig und steppenartig. Doch das ist nicht alles, was die Fauna zwischen Jo'burg und Hazyview zu bieten hat. Nach halber Strecke kommen die ersten Bäume, Gräser, Maisfelder, Wälder, grüne Berge, allerlei unbekannte Bäume, schließlich Bananenplantagen, Obstplantagen, Palmen und viel Wald. Traumhaft, eine solch abwechslungsreiche Vegetation innerhalb weniger 100 Kilometer zu bestaunen. 

http://www.outdoorphoto.co.za
Andere Besonderheiten in Südafrika sind die Straßenverhältnisse, das Verkehrschaos und die afrikanische Zeit. Uns wurde von Niki schon gesagt, dass wir auf der Motorradtour durchs Land auf Schlaglöcher achten sollen, aber solche Monsterlöcher habe ich mir nicht darunter vorgestellt. Ok zugegeben, ganz so tief sind die Schlaglöcher dann doch nicht, als dass eine ganze Giraffe sich drin verstecken kann, aber der Durchmesser kommt bei so manchen Schlaglöchern durchaus hin. Autofahren in Südafrika ist daher nicht für jedermann gedacht. Zum einen muss man den Schlaglöchern ausweichen, zum anderen auf allerlei komische Fahrweisen der anderen gefasst sein. Ein plötzlicher Spurwechsel auf der Autobahn von rechts oder von links ist ganz normal, das Einscheren in den Sicherheitsabstand etwas total gewöhnliches (dafür ist er ja auch da, der Abstand, oder?), das Überholen auf der Landstraße bei teils unglaublichen Manövern, man kann es nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Andererseits aber gibt es hier eine super 4-Way-Stop Regelung an manchen Kreuzungen, die überraschenderweise tadellos funktioniert. Vielleicht finde ich in Zukunft noch bessere Beispiele und Worte dafür, wie alles hier einfach so anders ist. 

Die afrikanische Zeit. Sagen wir mal: von Deutschland aus gesehen befinden wir uns hier im Süden. Der Verkehr ähnelt ja schon der Lage in Frankreich oder Italien, aber auch die Arbeitseinstellung ist sehr südländlich. Im Restaurant kann es schon einmal passieren, dass der Ober vergisst, dass man außer dem Getränk auch noch ein Essen bestellen wollte und wenn man nach der Rechnung fragt, kann es gewöhnlich auch noch mal ein Viertelstündchen dauern, bis man diese dann bekommt. Könnte ich Afrikaans sprechen, so könnte ich nun das schöne "morgen morgen nur nicht heute" übersetzen...

Afrikaans...auch ein schönes Stichwort: Südafrika hat 11 Amtssprachen und die meisten Weißen sprechen sowohl Englisch als auch Afrikaans. Das konnten wir am Zeederberg live miterleben. Die Kinder von Marlene (5 an der Zahl, 3 haben wir dieses Wochenende getroffen und ich kennengelernt) sprechen alle Deutsch, Afrikaans und Englisch. Untereinander wird sich mal so oder mal so unterhalten. Der Satz kann Englisch begonnen und in Afrikaans beendet werden, alles kein Problem. Das hat mich schon schwer beeindruckt. Erzählt man zu Hause jemandem, dass man drei Sprachen studiert hat, dann machen die meisten schon große Augen. Aber mitzuerleben, dass locker flockig zwischen drei Sprachen in einer Konversation hin und her geswitcht wird, das ist schon beeindruckend. Dies sind die beeindruckensten Eigenheiten der Südafrikaner, die mir momentan in den Sinn kommen.

Wie ist nun aber unser Wochenende gewesen und was hat das mit dem Elefanten zu tun? Wie ich schon sagte sind wir am Freitag über mehrere Stunden von Jo'burg nach Hazyview gefahren. Abends waren wir in einem schönen Lokal, dem "Pioneers", essen. Am Samstag sind wir nach Kaapsehoop (http://www.kaapsehoop.com/) gefahren, wo Andrea mit Familie wohnt. Andrea ist eines der Kinder von Marlene. Kaapsehoop ist ein sehr einsames Dörfchen, wo jeder mit offenen Türen wohnt, und das praktisch am Ende der Welt liegt. Andrea führt dort ein "Bohemian Groove Café" (http://www.bohemiangroovecafe.co.za/)und Charls, ihr Mann baut sich momentan gerade eine Art Metallwerkstatt auf. Jedenfalls war das Dörfchen sehr abgelegen, klein und heimisch und dennoch hat man eine wundervolle Aussicht über das Tal vom Plateau aus. 

Am Sonntag mussten wir um 5.00 Uhr aufstehen, um eine halbe Stunde später in den Krügerpark aufbrechen zu können. Wir hatten eine Tour mit einem Safari-Jeep gebucht und einem Guide, den Paul und Klaus schon kennen, da er über sechs Ecken auch eigentlich Familienmitglied ist. Juan, unser Guide, kennt den Park sehr gut und fährt seit vielen Jahren mehrmals pro Woche durch den Park. Die ersten Tiere, die wir gesehen haben waren Giraffen, die in der aufgehenden Sonne gefrühstückt haben. Innerhalb kürzester Zeit haben wir auch zwei Löwen, Hyänen, Zebras, einen Leoparden, Elefantenherden, Hippos (Nilpferde), Geparden, Geier, Adler, Affen und vieles mehr gesehen. So viele Tiere, die wir innerhalb der ersten 3 Stunden gesehen haben (wir hatten eine full day tour gebucht), sehen die meisten Besucher nicht einmal an einem Tag. Wir hatten sehr viel Glück. Juan war über Funk mit seinen Kollegen verbunden, die sich immer gegenseitig Informationen darüber gaben, wo man gerade etwas Interessantes sehen kann. Die Erfahrung, grasende Giraffen, Zebras und schlafende Geparden am Straßenrand zu sehen ist unglaublich. Elefanten und Giraffen sind wir öfters begegnet und es war unglaublich mitzuerleben, dass ca. 10 Meter vor einem eine ganze Elefantenherde die Straße überquert. Auch der Leopard hat sich von allen Seiten gezeigt. Das war zu Anfang schon ein komisches Gefühl in einem Jeep ohne Fenster zu sitzen und einen Leoparden an sich vorbei spazieren zu sehen. Der Clou bei solchen Safaris ist, so Juan, dass die Tiere die Fahrzeuge nicht als Gefahr ansehen und die Passagiere nicht erkennen. Daher soll man im Fahrzeug nicht aufstehen oder den Arm herausstrecken. Dennoch gibt es unendlich blöde Parkbesucher, die alles dafür tun ein möglichst scharfes und gutes Bild zu bekommen. So konnten wir miterleben, dass einige sich weit aus ihren Fenstern heraus lehnten und der Leopard dann plötzlich zu sprinten anfing. Ich dachte im ersten Moment, dass nun gleich wem ein Arm oder ein Stück vom Hinterteil fehlen würde. Es ist nichts passiert, aber mir war schon etwas mulmig. Einige Stunden später haben wir in einem Camp zu Mittag gegessen, wo eine Magnettafel des Gebietes für die Touristen aufgehängt war, an der man mit Punkten markieren konnte wo man an diesem Tag welches Tier gesehen hatte. Sehr beruhigend war der gelbe Punkt für Leopard direkt am Camp. Nach dem Essen sind wir dann auf der Straße auch parkenden Autos begegnet, deren Fahrer uns dann mitteilten, dass unweit der Straße ein Leopard den Zebras auflauert. Immerhin hatte er sich Tiere als Mittagessen ausgesucht. :) Alles in allem war die Safari durch den Krüger Park ein unvergessliches Erlebnis und von den Big 5 (Leopard, Löwe, Elefant, Nashorn, Buffalo) hatten wir alle bis auf das Nashorn gesehen. 

Den Montag haben wir mit einem Besuch auf der Krokodilfarm von Jeremy verbracht. Jeremy ist ebenfalls ein Freund der Familie Böhm vom Zeederberg und hat auf seiner Farm geschätzte 20.000 Krokodile unterschiedlichen Alters. Momentan hat er ca. 5.000 neugeschlüpfte Krokodile und einige tausend andere, die je nach Größe und Alter in verschiedenen Becken untergebracht sind. Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Krokodile in einem Gehege leben. Die Krokodilfarm ist für Touristen und Besucher normalerweise nicht zugänglich, da die Krokodile Ruhe brauchen und nicht gestört werden dürfen, da sonst ihr Kreislauf sozusagen durch Stress in Schwung gebracht wird, sie dann mehr Hunger bekommen und nicht mehr so friedlich sind, wie sie das momentan zumindest sind. Jeremy hat dieses Jahr allein schon 200 Tonnen Geflügelfleisch an die Krokodile verfüttert und diese Zahl würde bei Stress sicher radikal zunehmen, oder die Krokodile würden die Gehegepfleger oder andere Krokodile fressen.

Der nächste Programmpunkt galt dem "Elephant Sanctuary", einer Touristenattraktion, bei der man den Stall und die Anatomie der Elefanten gezeigt bekommt und man danach die Elefanten von oben bis unten erfühlen kann. So konnten wir nicht nur erfahren, was es heißt, wenn man von Elefantenhaut spricht, sondern wir wissen nun auch, wie sich die Zehennägel, die Zunge, der Rüssel, die Brustwarzen, die Ohren, der Schwanz etc. eines Elefanten anfühlen. Wusstet ihr, dass ein Elefant über 60 Jahre alt wird und an Nahrungsmangel stirbt, weil er seinen 6. Satz Zähne verloren hat und somit nicht mehr genügend Nahrung aufnehmen kann, um zu überleben? Zumindest stirbt er am Hungertod, wenn er seiner Schwäche wegen nicht schon von anderen Tieren erlegt wurde oder der Mensch ihm zum Feind wurde. Zwei Elefanten von über 3m Größe so nahe zu kommen und sie zu berühren, mit ihnen zu interagieren und so viel über sie zu erfahren war unglaublich. Jeder von uns durfte sich dann vom kleineren Elefanten noch einmal küssen lassen (sehr feucht diese Küsse) und zu guter Letzt durften wir die Elefanten noch füttern und eine Runde mit ihnen spazieren gehen. Dabei haben wir die Elefanten am vorderen Teil ihres Rüssels gepackt, und sie an der Nase herumgeführt. Ist ja ganz einfach :)

Dienstag war unser letzter Tag auf dem Zeederberg. Morgens sind Klaus, Paul und ich 4 Stunden mit einem Guide auf Quads durch die Berge, Wälder und Obstplantagen von Hazyview gefahren und haben uns etwas ausgetobt. Wir kamen alle mit einem sehr staubigen Teint zurück, aber wir hatten jeden Falls sehr viel Spaß. Tolle Erwachsenenspielzeuge diese Dinger! Den Nachmittag haben wir am Pool von Marlenes Country House verbracht und den Tag abends mit einem Familienfest ausklingen lassen.

Die Zeit auf dem Zeederberg war sehr schön, wir haben alles sehr genossen und viel erlebt und möchten vor allem Marlene für die Unterkunft und Klaus und Sabine für Speis und Trank danken. Unsere ersten Eindrücke mit feuchten Elefantenküssen, unzähligen Tieren im Krüger Park, einem staubigen Quadausflug, leckerem Essen, feinem Wein und sehr viel Spaß werden wir so schnell nicht vergessen.

Bis bald,
Paul & Judith



1 Kommentar:

  1. Na das hört sich doch mal alles ziemlich cool an:))) die Quads mag ich auch:)
    Kathrin auch wenn oben steht Paul hat gesagt!!

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